„Gegen jede Form des Fremdenhasses“

Quelle: Darmstädter Echo Online vom 3.11.2015

Festkommers Darmstaedter Echo

Aufstellung: Burschenschaften-Treffen in Eberstadt.
Foto: Claus Völker


FESTKOMMERS Burschenschaften feiern zwei Jahrhunderte ihrer Geschichte

DARMSTADT - (kaw). Auf eine 200-jährige Vergangenheit blickt die burschenschaftliche Bewegung zurück. Die in Darmstadt beheimateten sieben Burschenschaften feierten dieses runde Jubiläum zusammen mit der Vereinigung Alter Burschenschafter (VAB) am Freitagabend mit einem Festkommers im Eberstädter Ernst-Ludwig-Saal.
Die Burschenschaften berufen sich – im Gegensatz zu anderen studentischen Verbindungen – auf die Urburschenschaft, die sich im Jahr 1815 in Jena zusammen fand. Deren durchaus revolutionär geprägte Prinzipien (Freiheit, Ehre, Vaterland) wandten sich gegen fürstliche Kleinstaaterei und die Einschränkung individueller Freiheitsrechte. „Diese Prinzipien leiten die Burschenschaften bis heute“, betonte die Historikerin Helma Brunck bei ihrer zentralen Festrede. Die Burschenschaftsbewegung habe so auch Form und Inhalte des demokratischen Deutschlands geprägt: die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold, die Nationalhymne und die Formulierung der Grundrechte.
Schon deshalb halten die Darmstädter Burschenschaften (Alte Darmstädter Germania, Frisia, Germania, Gothia, Rheno-Markomannia, Rugia sowie die Freie Burschenschaft Suebia) mit zusammen rund 1000 Mitgliedern Tradition und Gemeinschaft hoch. So begann der Festkommers mit dem Einzug der Chargierten, den mit Uniform, Fahne und Degen ausgestatteten Repräsentanten der einzelnen Gruppierungen.
Helma Brunck skizzierte zudem die wechselhafte Geschichte der Burschenschaften: Mit der Reichsgründung 1870/71 sei ein wesentliches Ziel der Bewegung – die Einheit Deutschlands – erreicht worden. In der Folge habe sich die ehemals oppositionelle Bewegung zur staatstragenden Institution entwickelt. Nationalistisches, konservatives und auch antisemitisches Gedankengut gewannen die Oberhand – gerade in der Zeit des Ersten Weltkrieges. 1935 wurden die Burschenschaften aufgelöst und teils in nationalsozialistische Kameradschaften überführt.
„Kein Relikt aus alter Zeit“
Es gibt heute schlagende und nicht-schlagende Burschenschaften, solche mit religiöser Bindung, reine Männer- und Frauen-Verbünde oder gemischte Gruppierungen. Gemeinsam ist allen das Bekenntnis zu Demokratie und Freiheit, betonte Helma Brunck, die dem wissenschaftlichen Beirat der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung angehört. Burschenschaften seien „kein Relikt aus alter Zeit“, betonte Lucas Lischka von der Alten Darmstädter Germania. Vehement wandte er sich gegen jede Form des Fremdenhasses, „der den Idealen der Burschenschaft diametral widerspreche.“

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